Barmherzige Brüder im Wandel - Vor 50 Jahren wurde das Pflegeheim Barmherzige Brüder Algasing gegründet

Algasing ist ein wunderbares Kleinod im Voralpenland. Foto: Barmherzige Brüder Algasing

Die Natur erwacht in voller Pracht. Foto: Barmherzige Brüder Algasing

Der Geist des heiligen Johannes von Gott ist seit über 150 Jahren in Algasing lebendig. Vor nunmehr 50 Jahren wurde das Schülerheim mit Volksschule, das die Barmherzigen Brüder über ein Jahrhundert lang geführt hatten, in ein Wohn- und Pflegeheim umgestaltet. Hier fanden schließlich 220 behinderte und pflegebedürftige Männer eine neue Heimat. Manche, die 1967 von Johannesbrunn kommend hier einzogen, leben noch heute in Algasing. 1988 wurden hier, und damit erstmals in einer Einrichtung der Behindertenhilfe der Barmherzigen Brüder in Bayern, auch Frauen aufgenommen.

Seit einem halben Jahrtausend gilt der Wahlspruch des heiligen Johannes, „Das Herz befehle!“ bei der Pflege und Betreuung armer, kranker und behinderter Menschen. In dieser Zeit hat sich aber vieles im Umgang mit ihnen geändert. An die Stelle einer bloßen Heimunterbringung trat mehr und mehr ein ganzheitlicher Ansatz, der Menschen mit Behinderung nicht mehr länger als gesellschaftliche Randgruppe abtut, sondern sie als gleichwertige Mitglieder des Gemeinwesens ernst nimmt. Ziel ist es heute, ihnen eine vollständige Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Das moderne Konzept besteht im Wesentlichen aus drei Idealen.

Das Empowerment, englisch für Ermächtigung oder Übertragung von Verantwortung, zielt vor allem auf eine Stärkung und Förderung der Potentiale und Ressourcen des betreuten Menschen ab, anstatt seine Defizite zu betonen. Dabei soll er auch dazu ermutigt werden, Gestaltungsspielräume kreativ zu nutzen, und erlebte sowie selbst gesetzte Grenzen zu überschreiten. Mit diesen Erfahrungen gewinnt er an Entscheidungsfreiheit und Selbstverantwortung.

Die Partizipation meint die Teilhabe und Teilnahme bisher marginalisierter Menschen am öffentlichen Leben. Voraussetzung dafür ist, Menschen mit Behinderung in Anerkennung ihrer Menschenwürde als Persönlichkeiten mit den selben Rechten wahrzunehmen, die jeder Mensch für sich beanspruchen darf. Dies sind das Recht auf Arbeit und Bildung, auf Freiheit und Freizeit aber auch auf Partnerschaft und Familie.

Die Inklusion, lateinisch für Einbeziehen, bedeutet die Abkehr vom bisherigen Konzept der Integration behinderter Menschen in eine als homogen betrachtete Gesellschaft, die immer auch mit Anpassung verknüpft war. Inklusion respektiert vielmehr Menschen mit Behinderung als gleich- und vollwertige Mitglieder einer heterogenen Gesellschaft. Dahinter steht die Absicht, jeglicher Form der Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenzuwirken.

Diese Prinzipien basieren auf Gesetzgebungen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. 1994 wurde das Verbot der Benachteiligung auf Grund von Behinderung verabschiedet, 2002 kam das Bundesgleichstellungsgesetz und 2008 wurde die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen beschlossen.

Die Barmherzigen Brüder und ihre Mitarbeitenden waren stets bestrebt, diese Verordnungen zeitnah und konsequent umzusetzen. Diesem Willen trägt auch der Algasinger Masterplan 2025 Rechnung. Danach soll die Behindertenhilfe Algasing in den Raum Oberbayern Ost dezentralisiert werden, indem weitere Außenwohngruppen in den Landkreisen Erding und Mühldorf geschaffen werden. Folglich wird die stationäre Einrichtung nach und nach verkleinert. Ein weiterer Planpunkt sieht vor, weitere Arbeitsmöglichkeiten für die Bewohner zu finden.

Das 50-jährige Bestehen wird mit einer Klosternacht am Samstag, 15. Juli gefeiert. Pfarrer Rainer M. Schießler aus München wird um 18 Uhr einen Festgottesdienst im Klostergarten zelebrieren. Anschließend findet im großen Festsaal eine Begegnung, geleitet von Pater Bernhard Binder, Prior des Algasinger Konvents, statt. Unter dem Motto „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ wird über das Klosterleben und Wege zur Berufung gesprochen. Am Freitag, 14. September, wird Johanna Wettengl, Fachreferentin des Caritasverbandes zu den Themen Inklusion und regionale Aktivitäten der Barmherzigen Brüder refereferieren. Zu dem Gespräch im Jakobmayersaal in Dorfensind auch der 2. Landrat Herr Schwimmer, Dorfens BürgermeisterHeinz Grundner, sowie Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter, als Redner eingeladen. Titel der öffentlichen Veranstaltung ist „Mein Nachbar – Der Mensch mit Behinderung“. Danebenfindet am 3. September das alljährliche Herbstfest für Familien und am ersten Adventswochenende der bekannte Christkindlmarkt statt. Die Bevölkerung ist zu den Veranstaltungen herzlich eingeladen.

fh/Lanzinger

Hier können Sie sich die Festschrift 2017 herunterladen:

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