Mietvertrag unterzeichnet - Algasinger ziehen bald nach Dorfen

Der Mietvertrag ist ein Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen dem Vermieter, der Algasinger Einrichtungsleitung, der Projekteiterin sowie Vertretern der Bewohner und Mitarbeiter. Von links: Wohnbereichsleiter Josef Langwieder, Verwaltungsleiterin Sabine Materna, Bewohnervertretungs-Vorsitzender Tobias Henneberger, Geschäftsführer Günter Ducke, Vermieter Robert Decker, Prior Frater Bernhard Binder, Mitarbeitervertretungs-Vorsitzender Martin Bäuerle sowie Silvia Schroll, Leiterin des Projekts „Wohnen in Dorfen“.

Marienhofgebäude in der Dorfener Stadtmitte. Im Rückteil dieses Gebäudes befindet sich die künftige Algasinger Außenwohngruppe, in der bis zu zwölf Personen wohnen können. Der Mietvertrag wurde jetzt unterschrieben. (Bild aus dem Exposé der Robert Decker Immobilien GmbH)

Mit der Unterzeichnung des Mietvertrags für eine Wohnung im Dorfener Zentrum ist ein entscheidender Schritt in Richtung Inklusion für Menschen mit Behinderung in der Region getan. Im Laufe des Jahres 2016 können interessierte Bewohnerinnen und Bewohner aus Algasing und Malseneck nach Dorfen umziehen.

In Algasing ist die Freude groß: Bewohner der Behinderteneinrichtung der Barmherzigen Brüder in Algasing oder auch der Außenstelle Schloß Malseneck bei Kraiburg werden schon bald nach Dorfen ziehen können. Im Marienhofgebäude im Zentrum der Isenstadt haben die Barmherzigen Brüder eine 330 Quadratmeter große Wohneinheit angemietet. Dort wird eine Außenwohngruppe für bis zu zwölf Bewohner entstehen. Zehn Zimmer mit einer Durchschnittsgröße von 21 Quadratmetern sind geplant, jedes ausgestattet mit einem eigenen Bad, darüber hinaus ein größeres Zimmer für ein Paar, ebenfalls mit Bad. Zur gemeinsamen Nutzung sind eine große Wohnküche mit Speis sowie ein Gemeinschaftsraum, ein Büro fürs Personal und ein Wirtschaftsraum vorgesehen. Mit zur Ausstattung gehören Balkone und Kellerräume.

Erstes von mehreren Inklusionsprojekten bis 2025
Der Vertragsunterzeichnung am 16. Dezember 2015 sind mehrere Monate intensiver Planung vorausgegangen. „Wir haben uns im Rahmen eines Zehnjahresplanes, dem Masterplan 2025 für Algasing und Malseneck, auf den Weg gemacht, um gemeindenahen Wohnraum für Menschen mit Behinderung zu schaffen“, erklärte Geschäftsführer Günter Ducke beim Pressetermin. Im Sinne der Inklusion sollten Menschen mit Behinderung die Chance haben, sich ihren Wohnort selbst auszusuchen. Dafür haben sich die Barmherzigen Brüder auf die Suche nach Miet- und Kaufobjekten in Orten mit der dafür notwendigen Infrastruktur im Raum Oberbayern Ost begeben. Die zentral gelegene Wohnung in Dorfen ist das erste von mehreren Projekten, die Zug um Zug verwirklicht werden sollen. „Jetzt stehen wir vor einem entscheidenden Schritt“, sagte Ducke im Hinblick auf die Vertragsunterzeichnung.

Als „schöne Herausforderung“ bezeichnete Immobilienunternehmer Robert Decker die Umgestaltung der Räumlichkeiten, die sich im Rückgebäude des Marienhofs im 2. Stock befinden und bisher als Büroräume gedient haben. Dank der Trockenbauweise sei der behindertengerechte Umbau „mit verhältnismäßig vernünftigem Aufwand“ realisierbar. Absolutes Neuland für sein Unternehmen seien die vielfältigen Vorschriften, die bei der Schaffung von Wohnraum für Menschen mit Behinderung einzuhalten seien. Die Anforderungen des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes und der Heimaufsicht unter einen Hut zu bringen, sei „nicht ganz einfach“, so Decker.

„Die Lage ist super“
Die Rahmenbedingungen seien allerdings „ein Glücksfall“. „Die Lage ist super“, schwärmt Projektleiterin Silvia Schroll. Rund um den Marienhof befinden sich zahlreiche Geschäfte, Arztpraxen und Lokale. Im selben Gebäude sind beispielsweise die Post und eine Pizzeria untergebracht. Direkt gegenüber befindet sich eine Bushaltestelle. Zum Bahnhof, wo in kurzen Abständen Züge nach München und Mühldorf fahren, ist es nicht weit.

Silvia Schroll erklärte das Konzept: Die Bewohner sollen möglichst selbständig leben und sich – mit Unterstützung des Personals – weitgehend selbst versorgen, also selber kochen, putzen und waschen. Wochentags gehen die Frauen und Männer, wie bisher auch, zur Arbeit. In den meisten Fällen wird das die Algasinger Sankt Josefs-Werkstatt sein. Dorthin gelangen die Bewohner mit einem Shuttle-Bus. Das Betreuungspersonal muss also nicht rund um die Uhr anwesend sein, in dringenden Fällen sind die Mitarbeiter aber per Rufbereitschaft zu erreichen. Wer in die Außenwohngruppe einziehen wird, entscheidet ein internes Bewerbungsverfahren. Interessenten müssen eine möglichst große Selbständigkeit vorweisen können. In Algasing besteht bereits die Möglichkeit, in Zweier-WGs - den sogenannten „Trainingswohngruppen“ - die Selbstversorgung zu üben.

Ein halbes Jahr hat die Planung der Außenwohngruppe bis zur Vertragsunterzeichnung in etwa gedauert. Der weitere Zeitplan sieht eine Fertigstellung ab Ende März 2016 vor. Inzwischen konnte ein Gruppenleiter gefunden werden, der das pädagogische Konzept zum Außenwohnen in die Praxis umsetzen wird. Darin fließen 20 Jahre Erfahrung ein, die die Barmherzigen Brüder Algasing schon mit der Ambulant Betreuten Wohngruppe am Mühlangerweg in Dorfen sammeln konnten. Die Gruppe musste 2014 geschlossen werden, unter anderem weil die Bausubstanz des Einfamilienhauses nicht mehr den Anforderungen genügte. Im Unterschied zum Ambulant Betreuten Wohnen wird die Außenwohngruppe wie eine stationäre Wohngruppe funktionieren – auch wenn das Wort „außen“ in diesem Fall, wo es mitten hinein geht in die Stadt, paradox klingen mag.

nach oben